Sitzen in regungsloser Bewegung
Selbst wenn wir in Stille im Zazen sitzen, ist alles in Bewegung.
Nichts ist statisch. Nichts steht still.
Die Erde dreht sich stetig um sich selbst und in einer Umlaufbahn um die Sonne. Alles in der Natur ist in Bewegung. Gerade jetzt auch im Frühling. Die Knospen spriessen, alles wird grün. Alles ist im Wachstum.
Genau wie in uns selbst. Die Lunge bewegt den Atem. Der Stoffwechsel ist in Bewegung. Das Herz schlägt und das Blut zirkuliert durch unsere Adern. Zellen sterben und erneuern sich unaufhörlich. All dies ohne unser zutun.
Auch wenn wir völlig regungslos sitzen, stabilisieren unsere Muskeln unaufhörlich unsere Haltung, in winzig kleinen Bewegungen.
Nur wir selbst sitzen unbeweglich in Kraft und Stille. Bewegen uns nicht. Sind versenkt in uns selbst. Shikantaza, einfach sitzen. Nur sitzen. Es gibt nichts zu tun oder zu erreichen. Den Atem und die Schwerkraft als Anhaltspunkt, der uns führt und den Weg zeigt. Den Weg in die offene Weite. Inmitten der Bewegung trägt uns diese ursprüngliche und unvergängliche Stille.
Ich spüre diese unaufhörliche Bewegung im Zazen. Wenn ich sitze, ziehen die Gedanken vorbei, jedoch im Hintergrund fühle ich die Bewegung.
Spüre, wie ich inmitten dieser unendlichen Bewegung sitze. Ein Gefühl, als ist da noch etwas, was mich umhüllt und in ständigem Wandel ist. Jedoch nicht greifbar, wie leer und doch existent.
Ich kann mich darauf einlassen, wie einen Schritt zurück gehen. Fühle wie meine Sinne offen sind, sich jedoch nicht auf etwas bestimmtes konzentrieren. Ich es loslassen kann und es trotzdem da ist. Wie Sonnenstrahlen, die mich erwärmen, ich jedoch nicht sagen kann, woher sie kommen.
Sie ist einfach da, diese Bewegung. Ganz fein im Hintergrund und nicht greifbar.